MS Dauerwelle

Hochschule für Künste Bremen, Bürgermeister-Smidt-Brücke, Bremen

2018 fortlaufend


Video: Lukas Klose
Fotos: Lukas Klose

Fakten

  • Herbst 2018 – Herbst 2020: Planungsphase
  • 30.9.2020: Kauf des Schiffes
  • 9.11.2020: Unterzeichnung der Schiffsübergabe
  • 15.11.2020: Überfahrt 1 Gelsenkrichen in die Kötter-Werf in Haren
  • 18.11.2023: Beginn Umbau
  • Anfang Juli 2021: Ende Umbau
  • 16.7.2021: Überfahrt 2 Abfahrt Abfahrt Kötter-Werft
  • 18.7.2021: Ankunft Lankenauer Höft, Bremen
  • 22.1.2022: Überfahrt 3 Liegeplatz Bürgermeister-Smidt-Brücke

Datenblatt

  • Länge: 55 m 
  • Breite: 8,08 m 
  • Tiefgang: 1,26 m 
  • Maschinenleistung: 2 x 225 PS 
  • Maschine: 2 x SKL 6 NVD 36 
  • Baujahr: 1962 
  • Damals: 880 Personen Zulassung 
  • Jetzt: 199 Personen Zulassung für Veranstaltungen 

MS Dauerwelle – Eine neue Form des Zusammenkommens

Seit 2022 können Studierende und Lehrende das 53 Meter lange Schiff nutzen und durch Wandel sowie Bewegung im Inneren wie Äußeren neue aktive Verbindungen zwischen Hochschule, Stadt und Land ermöglichen. Ausstellungen, Konzerte, Diskussionen, Workshops, Seminare und Arbeitsräume werden die Stadtgesellschaft nachhaltig beeinflussen und neu denken.

Das Konzept und Entwurf zur Transformation eines Fahrgastschiffs in einen beweglichen Raum für Ausstellungen und Veranstaltungen der Hochschule für Künste (HfK) Bremen wurde 2018 von Asli Serbest, HfK-Professorin für temporäre Räume, und Mona Mahall, Professorin für Architektur und Kunst an der Hafen-City Universität Hamburg angestoßen und seitdem maßgeblich begleitet. Mit dem Schiff „Dauerwelle“ wollen Serbest/Mahall einen Ort gestalten, der unterschiedliche Öffentlichkeiten ermöglicht und quer zu sozialen, ästhetischen und technologischen Kontexten agiert.

Als schwimmender, nomadischer Raum ohne festen Boden soll das Schiff neue Formen des Zusammenkommens als politischen und ästhetischen Impuls ermöglichen. 

Asli Serbest und Mona Mahall

Sie verstehen die „Dauerwelle“ als eine späte Antwort auf die utopischen Projekte radikaler Architektur der 1960er- und 1970er-Jahre – etwa die Entwürfe einer „Walking City” oder „Nonstop City“ der Künstlergruppen Archigram (Großbritannien) und Archizoom Associati (Italien). Sie hatten Räume, Architekturen und sogar Städte konzipiert, die nicht an feste Orte gebunden, sondern in ständige Bewegung versetzt werden sollten. 

Konzept nach Serbest/Mahall:

„Ein Schiff als einen Ausstellungsraum in Bewegung zu denken, bedeutet, sich den Raum aktiv vorzustellen: nicht so sehr als einen Kunstcontainer, der besucht werden kann, sondern vielmehr als einen Akt des Besuchens selbst. Das Schiff erreicht verschiedene Orte als Gast oder Eindringling, als vorübergehender Nachbar in städtischen oder ländlichen, in dichten oder eher verstreuten Gebieten. Es stellt statisches institutionelles Denken, feste räumliche Gegebenheiten und organisatorische Strukturen sowie die Idee einer unveränderlichen Öffentlichkeit in Frage.

Insofern das nomadische als Alternative zum sesshaft-vernünftigen Denken angenommen wird, kann auch das Schiff andere Formen des Ausstellens und Diskurses eröffnen. Es kann diverse Kontakte knüpfen helfen und fordert neue kollektive Prozesse und verschiedene Weisen des Machens und Wahrnehmens von Dingen ein. Das Schiff wird vor allem neue Formen des Zusammenkommens ermöglichen.“

„Dauerwelle“

Der Name „Dauerwelle“ bezieht sich auf die Fließgewässer, auf denen sich das Schiff bewegt, zudem verweist er auf die Frisur und das feministische Konzept, das dem Projekt zugrunde liegt. Es steht für eine kritische Auseinandersetzung mit statisch institutionellem Denken, festen räumlichen Gegebenheiten und organisatorisch unflexiblen Strukturen.

Über das Schiff

1962 auf der Werft „Edgar André“ in Magdeburg für bis zu 750 Personen erbaut, gehört es zur „Dichterklasse“, einer Serie von acht Binnenschiffen in der DDR, die nach berühmten Literaten benannt wurden. Die „Dauerwelle“ hieß damals „Heinrich Mann“. Seit 2014 war das Schiff in Gelsenkirchen unter dem Namen „Pirat“ für Techno-Partys unterwegs. Die HfK Bremen hat es bei Ebay ersteigert und im November 2020 zur Kötter Werft ins emsländische Haren überführt. Dort wurde das Schiff überholt und umgebaut. Letzte Arbeiten fanden am Lankenauer Höft statt. Das Schiff liegt seit dem 22. Januar 2022, an der Bürgermeister-Smidt-Brücke, gegenüber von der Weserburg. 

Überfahrt

Roland Lambrette